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Moritz Lazarus (1824-1903): „Über die Reize des Spiels“ von 1883

Prof. Dr. Moritz Lazarus (1824-1903) ist einer der Begründer der Spielwissenschaft mit seinem Buch "Über die Reize des Spiels" (1883) . Als Psychologe, Philosoph und Völkerkundler gilt er innerhalb der Spieltheorien als Autor der Erholungs- und Entspannungstheorie. Mit seinem Kulturansatz fungierte er auch als Impulsgeber für Johan Huizinga (1872-1945) und sein Standardwerk "Homo ludens" (1938).

Prof. Dr. Moritz Lazarus (geboren als Moses Lazarus) war ein deutscher Psychologe. Er absolvierte eine kaufmännische Lehre in Posen und studierte anschließend Philosophie, Geschichte und Philologie an der Universität Berlin (heute Humboldt-Universität). 1850 veröffentlichte er seine Schrift „Über den Begriff und die Möglichkeit einer Völkerpsychologie als Wissenschaft“. Ab 1862 war er an der Universität Bern als erster Professor für Psychologie und Völkerpsychologie (Völkerkunde, Sozialpsychologie, Kulturpsychologie) mit jüdischen Wurzeln aktiv. 1867 ging er nach Berlin als Professor für Philosophie zurück. Lazarus setzte sich entschieden für die Rechte des Judentums in Deutschland ein.

Aus seinen allgemeinen Überlegungen zur Psychologie heraus und nach über 20 Jahren als Dozent befasst sich Moritz Lazarus mit dem Thema des Spiels. Er ist damit einer der Wegbereiter für Johan Huizingas (1872 -1945) Kulturtheorie, die er mit dem Erklärungsmodell des „Homo ludens“ zusammenfasst. Lazarus umreißt den Begriff des Spiels als Psychologe, der sich mit dem Individuum befasst, sehr weit und betrachtet in seinem Büchlein „Über die Reize des Spiels“ (177 Seiten) die „Zufalls- und Verstandesspiele“, die „Übungsspiele“ sowie die „Schauspiele, insbesondere der Kunst“ und damit auch die Musikspiele.

Moritz Lazarus (1883): Über die Reize des Spiels

Aus spielwissenschaftlicher Sicht formuliert er damit die Feststellung Friedrich Schillers (1759-1805):  „Der Mensch ist nur da ganz Mensch, wo er spielt“ als einer der ersten Psychologen erklärend und hilfreich mit dem Blick auf mehrere Spielformen. Dabei kommt er zu dem Schluss, dass das Spiel wesentlich zur Erholung des Menschen beiträgt (Arbeitserholungstheorie): „Die Erholung nämlich kann außer jener mittleren der Verstandesspiele entweder eine rein abspannende, oder eine erhebende sein: jene, wenn der Mensch sich einem stumpfen Sinnengenuß oder einem blöden Nichtsthun hingiebt; diese, wenn er eine zwar leichte und freie, aber den Geist dennoch anregende und bewegende Thätigkeit aufsucht.“ (s. S. 174)

Mit dieser Beschreibung weist Lazarus auf den von Huizinga benannten „Magic Circle“ hin, in den Spielende eintreten, wenn sie spielen. Sie treten dann aus der „Wirklichkeit“ heraus, um in eine Spielwirklichkeit einzutauchen. Das reine Spiel wird jedoch von Lazarus zielführend „verzweckt“, es dient der notwendigen Erholung und Entspannung, so wie der Schlaf, es befriedigt das menschliche Verlangen, sich nach einer mühseligen Arbeit zu regenerieren.

Lazarus befasst sich auch mit dem menschlichen Grundphänomen des Spiels, um es als eine Methode des Psychologen zu begreifen. Da sein Buch wohl nur in einer geringen Auflage erschienen ist, in vielen Bibliotheken als Basiswerk der Spielwissenschaft fehlt und auch über das Antiquariat kaum zu beziehen ist, zitieren wir an dieser Stelle gerne sehr ausführlich, denn seine Ausführungen beinhalten schon 1883 elementare Grundlagen einer inter- und transdisziplinären Spielwissenschaft.

In dem Vorwort beschreibt er seinen Auslöser, sein Motiv, warum er sich als Wissenschaftler der Psychologie mit dem Spiel befasst:

„Der Psycholog hat bei seiner Arbeit einen sauren Stand. Zunächst gewinnt er schwer die Neigung des Publikums, ihm auf den Wegen seiner Forschung willig zu folgen. Man muß schon in psychologischer Analyse einigermaßen geschult sein, man muß mindestens das Bedürfnis derselben zuweilen lebhaft empfunden haben, um seine Aufgabe oder Leistung zu würdigen. Besser ist der Naturforscher auf dem Gebiete der körperlichen Erscheinungen gestellt. Jedermann kennt den konkreten Körper, den jener analysiert; aber jedermann weiß, daß er die elementaren Bestandteile desselben nicht kennt, bis die Wissenschaft ihre Kunst der Zerlegung daran geübt hat.“ (s. S. III)

Die Naturwissenschaft zerlegt das Objekt der Betrachtung, um Erkenntnisse und Erklärungen liefern zu können. Der Psychologe hingegen ist darauf angewiesen, das Ganze sowie das Zusammenspiel der zahlreichen einzelnen Teile und ihre Bedeutung, ihren Einfluss zu betrachten. Wobei er nicht sehr optimistisch klingt, wenn es um diese Erkenntnisse geht:

„Das Selbstbewußtsein über die eigenen, inneren Vorgänge, das vorher dunkel und unbestimmt war, gerät sofort in eine Selbsttäuschung, wenn man es aufklärt.“ (s. S. IV)

Die Inhalte unserer sich so mannigfach wandelnden Vorstellungen über die gleichen Dinge vollziehen sich fortwährend mit einer Verschmelzung des Wortes und unserer sich verändernden Bedeutung mit demselben.

„Denn die Wörter, als Wörter in ihrem Laut und ihrer allgemeinsten Beziehung auf die Sache sind gleich bleibend, durchlaufen in Bezug auf ihre Bedeutung parallel der ganzen geistigen Entwicklung eines Menschen eine weite Bahn; sie umspannen eine ungemessene Summe von Verschiedenheiten der Art, des Grades und des Maßes ihrer eigentlichen und ihrer bildlichen Bedeutung. Langsam und spärlich – dennoch breit und mannigfaltig entwickelt sich unsere Erkenntnis, unsere Bildung, unser Wissen; aber die Namen der Dinge, die wir erkennen sollen und wollen, haben wir allermeist sehr früh gehört und gesprochen.“ (s. S. V)

Am Beispiel des Wortes „Vater“ zeigt Lazarus den Bedeutungswandel innerhalb eines Lebens, einer menschlichen Entwicklung vom zweijährigen Kind bis zum Lebensende. Diese Veränderungen verdeutlichen den spielerischen Charakter der von uns Menschen verwendeten Sprachen. Ein Ding ist nicht immer nur ein Ding mit gleichbleibender Bedeutung. In dem Wort „Vater“ verschmelzen im Individuum mehrere Vorstellungen und Erfahrungen. Lazarus postuliert, dass es dem einzelnen Menschen äußerst schwer fällt, diese Verschmelzungen wieder aufzulösen, dass es jedoch den Dichtern gelingt: „Denn diese können überhaupt zweierlei Formen desselben Inhaltes oder zweierlei Gedanken über dieselbe Sache hegen, nämlich wie sie ihn selbst und wie die Personengebilde ihrer Phantasie ihn anschauen. Sie sehen – als Dichter – mit den eigenen Augen und doch mit den Augen anderer.“ (s. S. VI)

Gedankenspiele und  Phantasiespiele bilden die Grundlage, schaffen die Spielkompetenz, um sich innerhalb von gesellschaftlichen Rollenspielen als Individuum zurecht zu finden.

„Wie wichtig diese Frage für die Pädagogik ist, liegt auf der Hand; denn diese bedarf des vollen und klaren Blickes in die Kinderseele. … Dazu kommt nun noch, daß man insbesondere die Berechtigung der Analyse derjenigen psychischen Zustände anzweifelt, welche den Genuß, das Behagen und Vergnügen, die Lust an der Freude des Lebens ausmachen.“ (s. S. VI)

Der von Lazarus identifizierte Zweifel an den Spielen und deren Erforschung, weil sie ohnehin nur sinnlose Zeitverwendung wären, sie „nur“ dem Vergnügen dienen, besteht zuweilen bis heute. Das Spiel mit seinen lebensvollen Empfindungen zu analysieren, ist für Lazarus förderlich:

„Zur Steuer der Wahrheit muß ich indessen auch die Thatsache hervorheben, daß die Quelle lebensvoller Empfindung durch die Fassung in Gedanken viel eher befestigt, als geschädigt wird. … Der Psycholog leidet viel mehr von der technischen Schwierigkeit als von dem nachteiligen Erfolg der Untersuchung. Um es wirklich analysieren zu können, muß er das Leben empfinden. … Naives Genießen und Analyse des Genusses bildet gar nicht den Gegensatz.“ (s. S. VIII)

Lazarus definiert zum Abschluss seines Vorworts die Aufgabe des Psychologen:

„Der Psycholog aber sucht das wirkliche innere Leben wirklich zu durchdringen; er läßt es in seinem Wesen und Wert bestehen, aber in den wirklichen Vorgängen mit ihren Theilen und Bedingungen erkennbar werden; das Feste wird transparent.“ (s. S. IX)

Somit bilden für ihn die Spiele einen höchst anziehenden Stoff für die psychologischen Untersuchungen. Spiel wird für ihn als ganzheitliche Methode interessant. Warum sich die Wissenschaft, auch über die Psychologie hinaus, mit dem Kulturgut Spiel befassen sollte formuliert er schon 1883 so:

„Die äußere und natürliche Anziehung der Spiele für die Forschung ergiebt sich aber schon aus dem breiten Raum, den sie im Leben der Menschen einnehmen. Der Begriff des Spiels ist, wie die Geschichte der Völker, der Sprachen und der Theorieen beweist, ungemein elastisch; aber auch wenn man an das Spiel nur im engsten und eigentlichen Sinne des Wortes denkt, an Ball- und Billiard-, an Karten- und Kegel-, an Brett- und Schachspiele, füllen sie bei den meisten Menschen von der Kindheit bis zum Greisenalter einen beträchtlichen Teil der Lebenszeit aus. Für viele sind sie der Inhalt aller Muße und Erholung und bilden dadurch einen wesentlichen Teil des Lebensgenusses.
Wer also seinen fragenden Blick auf das Ganze des menschliche Lebens richtet, dem kann sich das Spiel nicht entziehen, und schon die bloße Berechnung des statischen Anteils am Dasein muß ihn zunächst mit Staunen erfüllen.“
(s. S. 1-2)

Lazarus zählte die in deutscher Sprache erschienen Bücher zum Thema „Gesundheit“ und „Diätetik“ in den Jahren 1857-1861, er kam auf 68, jedoch erschienen in gleicher Zeit 86 Schriften zu Spielen. In der Zeit von 1862-1865 erschienen zur Diätetik 48 Bücher, zu Spielen 77. Die Zeit von 1871 bis 1875 lieferte wiederum 48 Werke zur Diätetik, aber 63 zu Spielen. Nur in den Jahren 1866-1870 kommt die Spielliteratur auf nur 62 Titel und die diätetischen Titel auf 118, weil in diesen Jahren die Impffrage einen polemischen und der Vegetarianismus einen propagandistischen Charakter einnahmen. Zum Abschluss weist Lazarus darauf hin, dass er bei seinen Zählungen zur Spielliteratur die Werke der Jugendspiele, die Spiele der Fröbelschen Methode zur Reformpädagogik, die der Tanzkunst und die Rätselbücher nicht berücksichtigt hat und außerdem seit dem Mittelalter, mit der Erfindung der Buchdruckkunst, eine reiche Sammlung von Schriften über Spiel und sogar über Schach entstanden sind. (vgl. S. 5f.)

Zur weiteren Untermauerung seiner Auffassung, dem Phänomen Spiel mehr Aufmerksamkeit und Bedeutung zu schenken, führt Lazarus den Philosophen und Mathematiker Gottfried Wilhelm Leibnitz (1646-1716) zum Thema Spiele an: „…weil sie das Denken befördern.“ sowie das englischen Sprichwort: „All work and no play makes Jack a dull boy – Immer nur Arbeit und kein Spiel macht aus Hans einen dummen Jungen.“ Noch tiefer in den Kern der Sache stößt der Schriftsteller Jean Paul (1763-1825) nach Lazarus vor: „Der Mensch muß Spaß verstehen, das heißt Ernst.“ Dazu Lazarus: „Den Spaß, den wir machen und den uns das Leben macht, müssen wir verstehen, wenn wir den Ernst des Lebens verstehen wollen; Spiel und Spaß sind darin einander gleich; Spiel ist eben nur ein Teil dessen, was uns Spaß macht. Die Aufgabe der folgenden Blätter ist es, das Vergnügen zu begreifen, das wir bei den Spielen und durch sie empfinden. Die Thatsache, daß das Spiel uns ein gewisses Vergnügen bereitet, ist jedem bekannt; mit der Erörterung derselben will die Wissenschaft die Spiele weder empfehlen noch verdammen; sie will ihr Wesen und ihre Wirkung nur begreifen. Denn mit der bloßen Thatsache der Erfahrung des Vergnügens, das empfunden wird, ist das Verständnis derselben noch keineswegs gegeben. Der Spiele giebt es sehr viele und sehr verschieden; sind sie alle einander darin gleich, daß sie uns Vergnügen machen, so fragt sich, was ist das Gleiche in ihnen, wodurch sie uns Vergnügen schaffen. Spiele sind Vorgänge, Ereignisse, Thätigkeiten, Übungen meist sehr zusammengesetzter Art: welche Elemente in ihnen und welche Verbindungen von Elementen, wollen wir wissen, ist die Quelle für Lust, die sie uns bereiten. Und diese Lust ist wiederum sehr verschieden; immer Lust, immer anziehend bis zur Leidenschaft, ist doch die Art derselben bei den verschiedenen Spielen sehr verschieden.“ (s. S. 7)

Moritz Lazarus formuliert folgende Forschungsfragen: „Wie viele Arten derselben giebt es? Wie verhalten sie sich zu den anderen Arten des Vergnügens, die das Leben uns bietet? Wie verhalten sie sich zum Ernst des Lebens und ihre Gegenstände zu denen des Ernstes? Oder von der persönlichen Seite gesehen: die Spiele setzen unser Gemüt in Bewegung, beschäftigen unsere leiblichen und geistigen Organe; welche sind es, die in Thätigkeit gesetzt werden, und welche Art von Thätigkeit scheidet oder verbindet Spiel und Ernst?“ (s. S. 8)

Seine Fragen sind bis heute Gegenstand der Spielwissenschaften und allgemein der Ludologie, wenn es um die Spielmotive sowie den Transfer in angrenzende Themenbereiche geht. Gamification, Gameful Design, Game based learning, Spieltherapie und Spielpädagogik nutzen diese Erkenntnisse.

Lazarus konkretisiert den Begriff des „Vergnügens“ in seiner Fragestellung mit dem Hinweis auf seinen Buchtitel, es geht ihm als Psychologen um die „Reize“ des Spiels. „Der Reiz ist eine innere Erregung, welche als solche angenehm ist, während Vergnügen eine angenehme Erregung ist. Wer eine Stunde lang schlechte Karten bekommt oder beim Roulette verliert, beim Schach Zug um Zug hoffnungsloser zurückgedrängt wird, der hat heute wenig Vergnügen vom Spiel; der Reiz desselben läßt nicht nach, ja er steigert sich, im Hasard (Glücksspiel) gewiß, vielleicht auch beim Schach. Zuweilen freilich kann das Mißvergnügen so sehr wachsen, daß es die  Überhand im Gemüt gewinnt und auch der Reiz für diesmal verloren geht.“ (s. S. 9)

Zum Inhalt und Sprachgebrauch des Begriffes Spiel führt Lazarus aus: „Die Thatsachen, welche unter dem Begriff des Spiels gedacht werden, sind zahlreich, mannigfaltig und verwickelt; denn nicht nur sehr vieles und sehr verschiedenes wird als Spiel gedacht, sondern auch aus sehr verschiedenen Gründen wird es als solches aufgefasst. Das Ballspiel, das Klavierspiel und das Schauspiel, sie sind alle Spiele, aber in einem verschiedenen Sinne aus verschiedenen Gründen. Uns drängt sich deshalb zunächst die Frage auf: was ist Spiel? Sofort aber erkennen wir, daß schon diese Frage selbst vieldeutig ist, daß sie mehrere Fragen umfaßt, die alle, jede für sich und alle in Beziehung aufeinander, beantwortet werden müssen, um die Natur des Spiels zu ergründen.“ (s. S. 9)

Der Sprachgebrauch für das Wort „Spiel“ kann treffend und deckend sein, aber auch ungenügend, stellt Lazarus fest. Es wird manches als Spiel benannt, was kein Spiel ist und so kommt nach Lazarus der Wissenschaft zu Aufgabe zu, „dem unbewußt geschaffenen Sprachgebrauch nachzugehen, seinen Sinn zu erforschen aber auch zu berichtigen.“ (s. S. 10).

Dabei weist er besonders auf die Dringlichkeit hin, sich den Sprachgebrauch genau anzusehen, sofern das Phänomen Spiel in anderen Sprachen außer Deutsch beschrieben wird. Den Umfang des Begriffes, was „Spiel“ ist, unabhängig von der Sprache zu erfassen, muss sich dem Wesen, den Inhalten des Begriffes und seines Umfanges nähern.

„Allein wie die sprachliche Bezeichnung ist auch die logische Auffassung der Sprache in verschiedenen Zeiten und bei verschiedenen Völkern verschieden. … Nur daß der Sprachgebrauch von der logischen Strenge ungehemmt, dafür aber, von der Fülle der Erscheinung eindringenden Phantasie geleitet, sich freier bewegt, bald fein und lichtvoll, bald lässig und gleichsam eigenwillig verfährt. Allgemein reizvoll und verwickelt ist es, wie die sachliche und logische Auffassung und die sprachliche Bezeichnung bei den verschiedenen Völkern .sich berührt und durchkreuzt.

Bei den verschiedenen Nationen, und bei denselben zu verschiedenen Zeiten, gab es verschiedene Spiele; der Begriff und der Name wechselt, bald mit dem Namen der Begriff und bald mit dem Begriff der Name. Man kann bekanntlich die Verschiedenheit der Völker und der Kulturepochen aus ihren Spielen erkennen, auch den Wert derselben kann man daran messen. Aber auch da, wo die gleichen Thatsachen sich finden, wo wir dieselben Spiele antreffen, begegnen wir einer tiefgehenden Verschiedenheit in der Auffassung, in dem Einfluß derselben auf das Gemüt, auf das innere Leben. Was hier und dort auf gleiche Weise gehandhabt wird, gilt hier als strenger Ernst, erscheint in sittlicher Würde oder gar als religiöser Dient, dort als eigentlich Spiel, zum Genuß und zur Kurzweil bestimmt.“ (s. S. 10-11)

Mit der von Lazarus hier 1883 beschrieben Vielfalt des Phänomens Spiel wird deutlich, dass eine Spielwissenschaft, dass die Game-Studies und damit die Ludologie sehr interdisziplinär agieren und forschen müssen. Allein Linguistik, Anthropologie, Geschichte, Theologie, Philosophie und Psychologie werden hier über seine kurze Ausführung adressiert. Lazarus untermauert seine Feststellung mit dem Beispiel aus dem griechischen und jüdischen Kulturraum.